Ich habe Sense8 gesehen, damit ihr es nicht braucht – Kritik

Ich habe Sense8 im Bingewatching (was ist das?) gesehen. Mein Fazit: Ihr könnt es euch (eigentlich) sparen. Das Netflix Original handelt von 8 Personen, die plötzlich alle miteinander verbunden sind und die Fähigkeiten und Gefühle der Anderen mehr oder weniger gezielt nutzen können.

Ich bin ein großer Freund von guten Serien, sie sind für mich sogar die besseren Filme. Leider gab es in meinen jungen Jahren #Hust keine so große Auswahl von grandiosen Titeln wie heute. Oder sie waren schlicht zu lang oder zu schwierig zu gucken. Damals™, liebe Kinder, haben wir Serien noch im Wochenrhythmus (linear) über MONATE hinweg gesehen und wurden nicht von dutzenden Spoilern im Netz gequält. Daher war man auch nicht so sehr in der Geschichte drin, wie es heute möglich ist. Dank Video on Demand können wir Geschichten am Stück genießen, bei Sense8 habe ich dies auch getan – leider.

Sense8 – Kritik (Spoilerfrei)

Ich finde den Trailer zur Serie phantastisch! Er hat Action, erklärt den Grundplot (1 Verbindung – 8 Personen – du fühlst was sie fühlen – du denkst was sie denken) und gute Musik ohne zu viel zu verraten. Produziert von Grant Hill (Jupiter Ascending, Cloud Atlas, V for Vendetta, Matrix II/ III, Titanic) und geschrieben von den Wachowski Brüdern. Ich hatte also große Erwartungen gehabt!

Hint: Wusstet ihr, dass die Wachowskis eine Frau und ein Mann sind? Ich dachte „Brüder“ bedeutet zwei Männer – so kann man(n) sich irren

Folge 1 hat auch gut begonnen und mich von Anfang an in eine Geschichte gezogen, die mich neugierig gemacht hat. Warum hat die Frau das gemacht? Wer ist dieser Mann? Warum ist das alles so? Wie heißt der Song in Minute 17; 34 und 51? Nach dem ersten Drittel fängt es aber auch an nervig zu werden. Jeder Charakter (und das muss man dem Cast lassen, sie alle spielen großartig!) möchte vorgestellt werden. Bei 8 Personen, diversen Nebencharakteren und 60 Minuten Laufzeit abzüglich Vorgeplänkel kann man sich schon rein rechnerisch vorstellen, was das für den Zuschauer bedeutet: Chaos.

Chaos herrscht auch im Leben der 8 Hauptprotagonisten: Sex, Drogen, Gewalt, Tod, Liebe – diverse Klischeekeulen, sexuelle Vorlieben, ein bisschen Erotik – ach ich schweife ab. Generell geht es oft um Liebe, Partnerschaften, Zuneigung, sexuelle Orientierung und die damit verbundenen Probleme – ein bisschen wie ein Hochglanz-GZSZ on Demand mit wundervollen Schauplätzen, großartigen Schnittbildern, einer Bildgewalt die man gar nicht oft genug sehen kann. Wenn Sense8 eines kann, dann Bild, Soundtrack und Drehort/Location großartig miteinander verbinden. Es gibt so viele Szenen die zu 100% stimmig sind und das Potential der Geschichte auch ausleben.

Einige Momente wirkten wie eine Arie ohne Ton. Sense8 ist Bildkunst. Wenn sich zwei Menschen aus einem unterschiedlichen Teil der Welt auf einmal am gleichen Ort befinden, ist der Blick immer auf den Bildschirm gebannt. Auch die Frage wie solch eine Begegnung auf Außenstehende wirkt, wird erklärt. Nicht, wie sie aufgebaut wird. Auch nicht, warum das so ist. Vor allem wird aber nicht aufgeklärt, was hier überhaupt los ist.

Dafür befindet man sich in der nächsten Szene schon wieder in einem anderen Land, inmitten eines anderen Problems, auf einem anderen Bett, umgeben von toller Musik und bildgewaltigen Szenen, die sich auch gerne mal 5 – 8 Minuten Zeit nehmen. Die letzte große Szene in Episode 10 „Was macht den Menschen aus“ nimmt sich über 8 Minuten (insgesamt sogar 10 Minuten) um dem Zuschauer zu zeigen, was alle 8 Hauptcharaktere genau in diesem Moment denken. Eine interessante Darstellung – ja. Notwendig? Nein.

Generell gibt es viel zu wenig Momente, in denen das Potential der Geschichte ausgelebt wird. Sense8 ist (leider) keine Actionserie. Eigentlich dauert es 3 Folgen, bis die erste Actionszene im „Sense8-Stil“erscheint und Hoffnung weckt. Wenn drei Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten plötzlich miteinander funktionieren um am Leben zu bleiben, sind bei Episode 8 und endlich gibt es einen Moment, in dem mach denkt „Yeah, warum nicht gleich so“!

Als Sense8 endete, war ich unzufrieden. Ich habe kein Problem damit, dass eine Serie sich 12 Folgen Zeit nimmt um Charaktere zu formen, vorzustellen und eine Geschichte zu erzählen. Sense8 ist kein OITNB. Sense8 ist auch kein True Detective. Sense8 könnte ein Breaking Bad werden – Eine Serie, die erst Anlauf benötigt um den Zuschauer in Rausch zu versetzen. Hoffen wir mal, das Netflix in Staffel 2 und mehr Potential investiert. Dann könnte das durchaus interessant werden. Die deutsche Synchro hat übrigens an einigen Stellen versagt. Wenn der deutsche Schauspieler Max Riemelt sich selbst neu synchronisiert, wirkt das doch schon sehr aufgesetzt. Ich empfehle (wie so oft) das Original.

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Sense8 hat viel geschafft – aber vor allem sein Potential nicht ausgenutzt

 Alternative Kritik Wenn ihr alternative Kritiken findet, schreibt sie gern in die Kommentare. Jeder hat eine andere Sicht (weniger subjektiv) und auf einem Bein kann man eh nicht stehen 😉

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5 Gedanken zu „Ich habe Sense8 gesehen, damit ihr es nicht braucht – Kritik

  1. „Wenn Sense8 eines kann, dann Bild, Soundtrack und Drehort/Location großartig miteinander verbinden. Es gibt so viele Szenen die zu 100% stimmig sind und das Potential der Geschichte auch ausleben. […] Sense8 ist Bildkunst.“

    Wieso meinen Sie dann, dass Sie die Serie „leider“ gesehen haben? Und wieso brauchen andere sie dann nicht zu sehen? Ich habe die Serie auch gesehen und stimme in den Kritikpunkten überein, halte die Serie wegen ihrer Bildgewalt und dem Zusammenspiel von Musik und Bild für sehenswert. Die Form stimmt nicht nur, sondern sie lässt einen staunen. Der Hauptplot ist konfus und kommt kaum in Gang, da ist die Staffel auch schon vorbei. Aber die Nebenplots der einzelnen Hauptfiguren sind teilweise klasse, insbesondere Sun in Seul, „Van Damme“ in Afrika, Wolfgang in Berlin und Kala in Indien. Action ist selten, aber wenn, dann grandios in Szene gesetzt, vor allem in den Episoden, bei denen Tom Tykwer Regie geführt hat (4 und 11). Vielleicht hätte er mehr Folgen machen sollen. Die beiden Folgen gehören zum Besten, was ich in einer Serie gesehen habe. Die Serie ist auch nicht immer nach meinem Geschmack, aber es ist schon ein krasser Trip, auf den man sich beim Schauen begibt.

  2. Bin erst kürzlich auf Sense8 gestoßen und kann mich der Meinung des Autors nicht anschließen. Für mich ist Sense8 pure Kunst. Bildgewaltiger Expressionismus im Serienformat. All die kleinlichen Kriterien prallen an Sense8 ab. Ebenso Vergleich mit Matrix, Cloud Atlas oder Lost. Wenn Salvador Dali Serien gemacht hätte, wäre vielleicht so etwas wie Sense8 herausgekommen!

  3. Schließe mich voll und ganz Sookies Meinung an. Habe sense8 in wenigen Tagen geschaut und bin einfach nur begeistert! Absolut fantastische und fesselnde Szenen, in denen Bild und Ton so perfekt übereinstimmen, dass einem nur zu staunen übrig bleibt.
    Die Wahl der Charaktere ist absolut gelungen und es ist interessant zu beobachten, wie alle 8 Folge für Folge besser mit einander harmonieren.
    Durchaus gibt es im Hauptplot zwischendurch auch verwirrende und sich ziehende Szenen, jedoch wurden die Nebenplots, die in der Serie überwiegen, mehr als perfekt umgesetzt, wodurch die „Enttäuschung“ gegenüber der Haupthandlung nicht lange anhält.
    Alles in allem eine Serie, die es sich zu lohnen schaut. Auch bei Staffel 2 werde ich definitiv wieder einschalten ?

  4. Das war die beste Serie, die ich gesehen habe, kann sie nur jedem empfehlen. Ich war begeistert und sprachlos von den vielen Bildern und von der Geschichte selbst.

  5. Sense8 ist neben Mr Robot die beste Serie, die es gibt. Ich verstehe nicht, wie du in jeder Episode Action erwarten kannst, wenn du weißt, dass Sense8 keine Actionserie ist? Vorallem, wenn wir schon dabei sind, in jeder Episode ist Action. Man fiebert immer mit und wird gefesselt. Die Serie ist bombe und dass du hier sagst, dass wir uns das sparen können, ist unter aller Sau. Lieber hättest du sagen sollen, dass Sense8 nicht dein Fall ist, aber wir Leute uns mal einen Einblick in die Serie ergattern sollen, damit uns auch klar wird, ob wir die Serie nun mögen oder nicht. Aber direkt mit „nicht anfangen“ zu kommen, ist verdammt scheiße.

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